Review zu "Splat!"

      Review zu "Splat!"

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      Bevor es langsam wirklich zu spät wird, hier meine „ersten“ Eindrücke zu “Splat!“ :D

      Arrogant Boy hat mir ehrlich gesagt noch nie so richtig gefallen. Instrumental ist der Song stark und als Opener taugt er auch, aber Ian Gillans monotoner Sprechgesang in den Strophen holt mich nicht ab. Im Chorus („Oh Billy“) und nach dem sehr gelungenen Instrumentalteil wird das zwar besser, aber begeistert bin ich nicht so recht. Was ich aber würdigen möchte, ist, dass der Song musikalisch unglaublich dicht ist und man kaum merkt, dass er nur gute 3 Minuten lang ist. Das liegt insbesondere am klassisch angehauchten Mittelteil, der beileibe keine uninspirierte Pflichtveranstaltung ist, wie das Solosektionen bei Deep Purple gelegentlich mal sind. 5,5/10.

      Auch Diablo reißt mich nicht Hocker gerissen. Das Riff wirkt austauschbar und auch die Strophen leben nur vom Akkordwechsel am Ende. Hier ist es aber tatsächlich Ian Gillan, der dem Song mit seiner Gesangsmelodie ein gewisses Etwas gibt. Der Chorus hat fast etwas Hymnenartiges, wird aber leider von den etwas langweiligen Soli wieder abgewürgt. Mir gefallen Soli bei Deep Purple meist nicht, wenn die Begleitung nur auf dem Grundakkord bleibt und es keine Harmoniewechsel gibt. Das ist hier leider der Fall und da hilft auch Keith Urbans kurzes Intermezzo nichts. Insgesamt finde ich Diablo besser als Arrogant Boy, aber ein Highlight ist er für mich nicht. 6,5/10.

      Ganz anders liegt die Sache bei The Rider. Mir gefällt schon das Orgelintro und auch die folgenden Strophen grooven von Anfang an ganz wunderbar. Für den rhythmisch stolpernden Prechorus (Woe it’s me, I’ll let you know…) habe ich ein paar Durchläufe gebraucht, aber mittlerweile gefällt mir gerade dieser Teil besonders gut. Der eigentliche Chorus ist dann etwas gefällig, aber das geht in Ordnung, weil Simons Gitarrensolo im Anschluss so schön groovt. Hoffentlich schafft es The Ride noch ins Liveset! 9/10.

      The Lunatic
      beginnt heavy und baut durch Ian Gillans Gesang und die keltisch anmutende Figur von Gitarre und Orgel sofort eine düstere Stimmung auf. Leider passt der fröhliche Chorus gar nicht zu dieser Stimmung und auch der Soloteil ist austauschbar, obwohl er eigentlich auf einem schönen Riff beruht. Damit bleibt The Lunatic ein Song, der stark anfängt aber dann unter seinen Möglichkeiten bleibt. Schade. 6/10.

      Beim Orgelintro von The Only Horse In Town fühle ich mich an Might Just Take Your Life erinnert und frage mich, warum es so lange keinen Deep-Purple-Song mit einem grrovigen Hammond-Riff am Anfang mehr gab. Der anschließende Vers stampft zielstrebig auf den sehr eingängigen Chorus zu, bevor es in den wunderschönen Instrumentalteil übergeht. Der ist ein echtes Highlight und wertet den ohnehin guten Song nochmal ordentlich auf. Einziger Schwachpunkt ist für mich die Bridge („Got nothing to hang on the wall“), aber die fällt nicht zu sehr ins Gewicht. Ein toller Song und ich bin gespannt auf die Liveversion! 9/10.

      Sacred Land erinnert im Intro ein bisschen an Rapture Of The Deep, entwickelt dann aber schnell eine stampfende Härte, die man von Deep Purple bisher kaum kannte. Ian Gillan macht hier eine richtig gute Figur und hält den Song über die Verse und den mächtigen Chorus in seiner Grundstimmung wunderbar zusammen. Nur das Synthsolo fällt etwas ab, was aber durch das gelungene Gitarrensolo wieder aufgefangen wird. Sacred Land ist ohne Zweifel der härteste Song auf dem Album und könnte fast als Metal durchgehen. Obwohl ich kein Metalfan bin, gefällt’s mir gut. 8,5/10.

      Der Kontrast zu The Beating of Wings könnte kaum größer sein, denn hier geht’s deutlich entspannter zu. Der bluesige Einstieg und das Wurlitzer-Piano gefallen mir gut, aber Chorus und Bridge sind mir etwas zu getragen für den Rest. Schlecht sind sie nicht, aber sie passen nicht ganz mit dem bluesigen Charme des Riffs zusammen. Handwerklich ist der Song aber gut gemacht und er funktioniert auch, deshalb 7,5/10.

      Im Gegensatz zu den ersten beiden Singles hat mir Guilt Trippin‘ von Anfang an gefallen. Hier trifft der Prog der Ezrin-Alben mit Steve Morse auf die neue Energie von Simon McBride und vereinigt sich zu einem enorm stimmungsvollen und düsteren Epos. Gerade der Chorus entwickelt mit Ian Gillans Gesang eine unglaublich bedrohliche Energie, die mir sehr zusagt. Obwohl der Instrumentalteil diese Stimmung aufbricht, gefällt er mir gut und ich empfinde ihn als Bereicherung. Bei den Piano- und Gitarrensoli sieht das leider anders aus, aber nachdem sie einigermaßen schlüssig aufgelöst und wieder in den Vers überführt werden, geht das in Ordnung. Alles in allem ist Guilt Trippin‘ ein richtig starker Song. 9,5/10.

      Scriblin‘ Gib’rish beginnt ähnlich wie Sacred Land, verdudelt seine Härte im unglaublich platten Chorus aber sofort wieder. Für mich ist der Song damit leider durchgefallen und kann sich auch nicht mehr erholen. Die Soli sind ordentlich, aber auch nichts Besonderes. Deshalb ist Scriblin‘ Gib’risch für mich leider ein Füller auf dem Album, auf den man gut hätte verzichten können. 4/10.

      Zum Glück währt die Verzweiflung nicht lange und Jessisca’s Bra rockt so fröhlich los, das man gar nicht um’s Mitwippen herumkommt. Hier greift ein Rädchen in’s nächste und das Gesamtergebnis stimmt einfach, auch wenn es sicherlich nicht der innovativste Song ist. Spannend finde ich die Bridge, die mich an Being For The Benefit Of Mr. Kite von den Beatles erinnert und den sonst sehr klassischen Deep Purple Song um eine Dimension hebt. Auch hiervon hätte ich gerne eine Liveversion :) . 9/10.

      Third Call überzeugt sofort mit seinem eher ungewöhnlichen Schlagzeug-Pattern und dem Wechsel zwischen den zurückgenommenen Versen und dem rockigen Rest. Trotz dieses Gegensatzes gehen die Teile perfekt ineinander über und führen einen über die majestätisch begleiteten Soli in einen total reduzierten Vers, bevor der Song zum Ende hin nochmal Fahrt aufnimmt. Das ist wirklich gut gemacht, auch wenn mir ein eindeutiger Chorus fehlt, der dem Song noch ein bisschen besser hätte machen können. 8/10.

      Weiter geht’s mit dem herrlich geradlinigen My New Movie, der direkt losrockt und sich nicht vom Weg abbringen lässt. Die Verse sind treibend und werden elegant in einen knackigen Chorus übergeleitet. Die Soli sagen mir weniger zu und gerade die kurze Einlage von Don Airey ganz ohne Band hätte ich nicht gebraucht, aber schlecht sind sie nicht und der Rest funktioniert einfach zu gut, um es dem Song zu verübeln. Ich bin mir sicher, My New Movie wäre eine gute Ergänzung für das Live-Set! 9/10.

      Splat! erinnert mich in seinem untypischen Sound an Dancing In My Sleep von Whoosh!, was auch an den funkigen Elementen liegt. Besonders gefällt mir der stimmungsvolle Synthesizer in den Strophen und der wortlose Chorus, der trotzdem sehr eingängig ist und ordentlich rockt. Die Soli sind, Clavinet hin oder her, leider wieder etwas austauschbar. Sie werden aber durch die hymnenhafte Bridge gut abgefangen. Insgesamt ein spannender Song, der es leider aufgrund der Soli nicht ganz schafft, sich aus dem Deep-Purple-Korsett zu befreien und wirklich innovativ zu sein. 7/10.

      Insgesamt betrachtet ist Splat! ein gutes Album, das sich deutlich mehr von =1 abhebt, als ich das erwartet hatte. Während =1 relativ geradliniger Hardrock war, habe ich auf Splat! immer wieder das Gefühl, dass die proggige Grundstimmung der Ezrin-Alben mit Steve Morse wieder da ist. Auch die teils sehr melodiösen und opulent arrangierten Chorusse und Bridges erinnern mich an diese Alben, besonders an Whoosh. Ich würde sogar sagen, dass Splat! eher als Nachfolger von Whoosh! erscheint denn als Nachfolger von =1, was ja schon in den Titeln angelegt ist. Ich finde Splat! deshalb musikalisch interessanter, wenn auch etwas verkopfter und weniger zugänglich als =1. Während es auf =1 einige Songs gab, die sofort ins Ohr gegangen sind, habe ich hier einige Durchläufe mehr gebraucht. Ich glaube aber, dass daran auch die seltsame Auswahl der Singles einen Anteil hat, denn Songs wie The Only Horse In Town, Jessicas Bra oder My New Movie gehen (zumindest mir) deutlich besser ins Ohr als Diablo oder Arrogant Boy und wären vielleicht die bessere Wahl als Singles gewesen.

      Die Produktion ist okay, wobei ich bei Bob Ezrin seit Infinite das Gefühl habe, dass soundmäßig deutlich mehr drin wäre. Positiv ist, dass das Schlagzeug nicht mehr so blechern wie auf =1 klingt und etwas breiter gemischt ist. Weniger gut gefällt mir, dass die Gitarre immer noch zu wenig Höhen hat und dass die Orgel zu höhenlastig gemischt ist, wodurch sie dünner klingt als sie das müsste. Beides macht Ezrin spätestens seit Whoosh! konsequent so und ein riesiges Problem ist es natürlich nicht. Ich glaube nur, dass auch Splat! deutlich knackiger klingen könnte, wenn der Mix anders angelegt wäre.

      Hervorheben möchte ich noch Ian Gillan, der bis auf Arrogant Boy eine echt starke Performance abliefert. Während er auf =1 nochmal in deutlich höhere Stimmlagen zurückgekehrt war, ist er auf Splat! wieder tiefer und altersgerechter unterwegs, was mir sehr gut gefällt und ihm mittlerweile auch besser steht. Schade finde ich nur, dass seine Stimme immer mal verzerrt wird, was gar nicht nötig wäre.

      Alles in allem bin ich mit Splat! also recht zufrieden. Ein Meilenstein wie Now What?! ist es (glaube ich) nicht, aber ich habe es in den letzten zwei Wochen intensiv und gerne gehört und ich habe noch lange nicht das Gefühl, alles entdeckt zu haben.

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      Ich hoffe ich schaffe es dieses Wochenende ein Review zu schreiben - aber sicherlich nicht so genau wie die von Jonas. Respekt!

      Die Geschmäcker sind unterschiedlich und deckt sich bei mir sicherlich nicht mit jedem Song. aber vieles sehe ich genau so.

      Jonas, wie gefällt Dir den die Studioversion von "Guinessis" - Falls Du die Box hast. Für mich hätte der Song auf's Album gehört.



      Sweet CHILD IN TIME....
      see the blind man shooting at the world...